Holzverarbeitung in Leibstadt: Kalt AG – von der Sägerei zum modernen Abbundwerk

Holz zählt zu den ältesten und bedeutendsten Rohstoffen der Menschheit. Bereits im frühen Mittelalter war es der zentrale Werk- und Brennstoff, der anfangs mühselig von Hand bearbeitet wurde. Später hielten mechanische Sägen Einzug, die meist durch Wasserkraft an Flüssen betrieben wurden. Bei der Sägerei Kalt verlief die Geschichte jedoch anders.

Mit der Gründung der Elektra Leibstadt im Jahr 1916 gelangte der Strom bis ins Bossenhaus. Dies ermöglichte es Hermann Grenacher, dort im Jahr 1921 eine Sägerei zu errichten, die von Beginn an elektrisch betrieben wurde.

Hermann und sein Bruder Gottfried Grenacher, die im Bossenhaus lebten, waren im Dorf auch als die «Zieglers» bekannt. Im Grüt, zwischen den Siebenwegen und dem Kappelerhaus, betrieben sie eine Ziegelhütte. Dort wurde Lehm gestochen, geformt und gebrannt – genau in jener Epoche, als die alten Strohdächer zunehmend durch Ziegeldächer ersetzt wurden.

Nachdem die Ziegelhütte leider einem Brand zum Opfer gefallen war, konzentrierte sich Gottfried auf seine Wagnerei, während Hermann 1921 das Sägereigebäude erstellte und eine Einblatt-Gattersäge installierte. Diese ratterte so gewaltig und arbeitete in einem derart gemächlichen Tempo, dass man während des Sägens eines Baumstammes problemlos im Haus den «Znüni» einnehmen konnte. Es war damals ein reiner Ein-Mann-Betrieb.

Ehemalige Gattersäge

Kurz vor seinem Tod im Jahr 1957 überschrieb Hermann Grenacher den gesamten Besitz seinem Schwiegersohn Gottfried Kalt (1917–2005). Gottfried stammte aus Fehrental und hatte Marie, das einzige Kind der Grenachers, geheiratet. Neben dem Sägereibetrieb führten sie zur Selbstversorgung eine kleine Landwirtschaft.

Gottfried Kalt vergrösserte das Geschäft: Er kaufte verstärkt Rundholz von umliegenden Gemeinden und Waldbesitzern ein und verkaufte die fertigen Bretter und Balken bis ins Ausland. Da ein Occasions-Vollgatter nicht überzeugte, wurde 1967 eine moderne, leistungsfähige Vollgattersäge angeschafft. Die Rechnungen wurden damals noch von Hand geschrieben und oft beim Sonntagsspaziergang mit den vier Kindern persönlich abgeliefert – ein Restaurantbesuch durfte dabei natürlich nicht fehlen. Inzwischen beschäftigte der Betrieb bereits drei Mitarbeiter.

Gottfried Kalt (1917–2005) und Marie Kalt-Grenacher (1919–2014)

Einen wesentlichen Anteil am geschäftlichen Erfolg trug Marie Kalt-Grenacher (1919–2014) bei. Sie war nicht nur die gute Seele im Büro, sondern packte auch im Betrieb mit an und sorgte für das leibliche Wohl. Bis zu ihrem 90. Geburtstag liessen es sich die Sägerei-Mitarbeiter nicht nehmen, jeden Morgen um 9 Uhr bei ihr zum «Znüni-Kafi» einzukehren.

Im Jahr 1975 wurde die Kalt AG gegründet und 1992 übergab Gottfried Kalt den Betrieb an seinen jüngsten Sohn, Klaus Kalt.
Als die Nachfrage nach Massivholz sank und gleichzeitig verleimtes Holz immer gefragter wurde, erfolgte 2007 die Einstellung des Sägereibetriebs. Die Kalt AG nutzte die Chance für einen Konzeptwechsel, als eine neuartige, marktreife Abbundmaschine auf den Markt kam. Die Gebäude wurden erweitert und die erste Abbundmaschine angeschafft – ein unternehmerisches Risiko, das sich auszahlen sollte.

2004 trat Lukas Kalt als gelernter Maschinenmechaniker und diplomierter Betriebswirt in das Unternehmen ein. In den Jahren 2008 und 2009 wurden die Räumlichkeiten erneut vergrössert, 2012 übernahm Lukas Kalt die Kalt AG. Mit Investitionen in leistungsfähigere und modernere Anlagen wuchs der Betrieb stetig.

Heute beschäftigt die Kalt AG rund 30 Personen und beliefert zahlreiche Zimmereien und Holzbaubetriebe mit den Firmeneigenen Fahrzeugen. Dank den Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Hallen kann heute ein beträchtlicher Teil des Strombedarfs selbst abgedeckt werden.