Der Velo-Baumgartner

August Baumgartner wurde 1902 in Unterlauchringen/Dangstetten als sechstes von zehn Kindern geboren, in einer schwierigen Zeit und in bescheidenen Verhältnissen. Schon in jungen Jahren kam er nach Leibstadt zum «Chüngeli Sepp». Laut der Chronik von Otto Vögele «Leibstadt 1866–1991» wird unter den alten Zunamen ein Vögele aus dem Unterdorf erwähnt.

Bei seinen Pflegeeltern wurde August herzlich aufgenommen. Er hatte es gut bei ihnen und besuchte in Leibstadt die Schule. Nach der obligatorischen Schulzeit brach der Erste Weltkrieg aus. August musste einrücken und seinen Militärdienst leisten. Eine Lehre konnte er in dieser Zeit nicht absolvieren.

Bald lernte er Lina Kramer (1901) kennen, die Schwester des «Bäcke Sepp». 1924 wurde geheiratet. Zwischen 1925 und 1940 kamen sieben Kinder zur Welt: Vier Mädchen und drei Knaben. Dank der Unterstützung seines Ziehvaters konnte August von der Familie Weiss eine Liegenschaft oberhalb der Kirche erwerben, die zum Familienwohnsitz wurde.

Als Kleinbauer und Allrounder, er arbeitete unter anderem in der Gipsunion und beim Kraftwerkbau, verdiente er den Lebensunterhalt. Die Räumlichkeiten eigneten sich ideal für eine Werkstatt, und so entstand der Veloladen Baumgartner mit einer Tanksäule für Töfflibenzin. Wenn man in Leibstadt ein Fahrrad kaufen wollte, war klar: Man ging zum Velo-Baumgartner! Auch Reparaturen, Ersatzteile und gute Ratschläge gehörten selbstverständlich dazu. August und seine Frau Lina standen Tag und Nacht für ihre Kundschaft bereit.

August Baumgartner war zudem ein engagierter Vereinsmensch. Seine grosse Leidenschaft galt dem Veloclub Leibstadt (VCL). Auf vielen Fotos ist er zu sehen. Meist stolz in Uniform mit Knickerbocker, später im Renndress. Von 1936 bis 1941 präsidierte er den Verein und wurde anschliessend zum Ehrenpräsidenten ernannt. In späteren Jahren widmete er sich mit Freude dem Jassen und Kegeln.

Nach dem Tod seiner Frau Lina lebte August bei seiner Tochter Susanne und deren Ehemann Bruno Keller. Später zog er ins Altersheim Leuggern, wo er 1997 verstarb.

Im Jahr 2000 wurde die leerstehende Liegenschaft an die katholische Kirchgemeinde Leibstadt verkauft, abgebrochen und als Parkplatz für die Kirchbesucher neu gestaltet. An einem Ort, der einst vom Klang der Fahrräder und dem geschäftigen Treiben des Velo-Baumgartners erfüllt war …

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